Heilmagie

Und was man wissen sollte, bevor man sie anwendet

Ein kleiner Hinweis von Gjarrelyn Lhydaan
Primus inter Pares der Manus Sanans im Bunde der Manus Lucis
Meisterin der Heilkunst


 

Ich möchte hier ein paar Fragen stellen und zum Teil auch beantworten, die sich jeder, der sich für Heilmagie interessiert stellen sollte, bevor er sie anwendet.
Das gilt nicht nur für schwierigere Zauber wie Wiederkehr oder irgendwelche irrsinnigen Rituale. Es geht hierbei auch ganz besonders um die kleineren Zauber, die schnell angewendet werden müssen, sei es in der Schlacht oder nach einem Unfall. Denn grade in den Fällen, wo schnell entschieden und gehandelt werden muß, sollte man wissen, welche Fragen immer zu berücksichtigen sind. Einige davon lassen sich allgemein beantworten, solche über die Auswirkung des Ortes, und ob überhaupt klar ist, was der Magie mitgeteilt werden soll, aber andere sind von Situation zu Situation unterschiedlich zu beantworten.
In jedem Falle spart es viel Zeit, wenn man weiß, auf was zu achten ist. Abgesehen davon spart es auch jede Menge Ärger.

"Heiler!"
Den Ruf haben schon alle gehört, einige haben ihn selbst getan, andere sind ihm gefolgt, viele waren schon der Grund dafür. Was tun wir, wenn dieser Ruf erklingt?
Wir folgen ihm, wenn nicht etwas wirklich wichtiges uns davon abhält. Ein bißchen Regen vor dem Zelt zählt in diesem Falle nicht als wichtig.
Doch wenn wir dem Ruf gefolgt sind, gibt es viele Fragen, die wichtig sind, bevor wir mit der Arbeit beginnen. Die erste Frage ist:

Gibt es Verwundete?
Die Frage klingt vielleicht blöd, aber ich bin selbst schon mehr als einmal gerufen worden, weil jemand von einem Schlafzauber, einer Lähmung oder einer magischen Überladung getroffen wurde. Es kann auch sein, daß derjenige, für den ein Heiler gerufen wurde nur grade Astral unterwegs ist, ohne jemandem Bescheid gesagt zu haben, oder grade eine andere Wesenheit seinen Körper besetzt.
Das sind sicherlich alles ernstzunehmende Dinge, aber dafür braucht man keinen Heiler, sondern einen Eimer Wasser oder einen Magier.
Wenn es aber in der Tat wirklich Verwundete oder Vergiftete gibt, ist zunächst zu prüfen, ob sie sich immer noch in diesem Zustand befinden. Um auch dies kurz zu erklären: Wenn jemand eine Wunde am Arm hat und diese grade geheilt wurde, kann trotzdem jemand anders deswegen noch einen Heiler rufen, weil er nicht gesehen hat, daß sich jemand um die Wunde gekümmert hat. Und wenn da ein zerfetztes Hemd an einem blutigen Arm klebt kann das immer noch böse aussehen, wenn die Wunde selbst schon versorgt wurde.
Auch ein Giftopfer sieht noch etwas krank aus, wenn schon etwas gegen die Vergiftung getan wurde.
Also: Immer erst sicher gehen, daß derjenige um den es geht überhaupt Hilfe braucht, die ein Heiler anbieten kann.
Man kann sich also um das Opfer kümmern. Damit kommen wir zur nächsten Frage:

Wieviele Verwundete gibt es?
Sicher ist jedem Bedürftigen die bestmögliche Hilfe zu leisten. Doch wenn es mehr Verwundete gibt, als die anwesenden Heiler magisch versorgen können, ist es wichtig, sich zunächst nur um die wirklich bedrohlichen Verletzungen zu kümmern und dann den Rest mit Verbänden oder ähnlichem zu richten, sonst hat man nachher einem Krieger jede Schramme geheilt und kriegt die aufgerissenen Gedärme des anderen leider irgendwie nicht verbunden und das gibt kein gutes Gefühl.
So zielt die Frage nicht nur unbedingt auf die derzeit herumliegenden, sondern auch auf die Anzahl der noch zu erwartenden Verletzten. Meist kann man sich darauf verlassen, daß ein Dämon, der seine Rückkehr für den Abend angekündigt hat, sein Wort hält. Dafür lohnt es sich immer, noch ein wenig Energie aufzusparen, sie wird später sicher noch gebraucht.

Ist es sinnvoll, hier, jetzt, bei diesem Verletzten Magie anzuwenden?
Die Frage klingt vielleicht auch etwas eigenartig, ist aber nötig. Wenn begründete Vermutungen bestehen, daß die Magie an einem Ort anders wirkt als normal, sollte man überlegen, ob es sinnvoll ist, das Risiko einzugehen. Ein Ort, dessen Aura die Magie umkehrt, macht Heilzauber in einem solchen Falle wenig empfehlenswert.
Wenn aber keine genauen Aussagen über die Wirkung des Ortes gemacht werden können und ein Heilzauber die letzte Chance des Verwundeten ist, sollte man es auf jeden Fall versuchen.
Es wäre auch interessant, zu wissen, ob Magieanwendung da wo man grade ist verboten ist. Soviel zum "Hier".
Das mit dem "Jetzt" ist schnell erklärt. Wenn grade ein Ritual im Gange ist, oder eine Wesenheit sich in der Nähe aufhält, die meinen Zauber beeinflussen könnte, wäre es sinnvoll, ein wenig zu warten. Wenn das der Zustand des Verletzten nicht zuläßt, muß man es eben riskieren. Wenn grade ein seltsames Monster auf einen zuläuft stellt sich eine ähnliche Überlegung.
Warum sollte aber der Verletzte dagegen sprechen, daß Magie angewendet wird? Nun, es könnte ein Allerländer oder Locknaranhänger sein, oder sonst jemand, dessen Glauben es verbietet, magisch geheilt zu werden. Wenn es anders aber nicht geht, kann man überlegen, ob man einen Geheilten, nicht ganz glücklichen vor sich haben möchte oder einen Toten.
Anders liegt der Fall bei Wesen, die gegen Magie immun sind oder die von Magie Schaden nehmen. In diesen Fällen sollte man wirklich auf deren Anwendung verzichten, da sie im besten Falle ergebnislos wäre.
Eine andere Behinderung sind Dinge wie spezielle Schutzvorkehrungen durch Zauber oder magische Gegenstände. Wenn jemand einen Magiespiegel auf sich liegen hat, hilft ihm ein Zauber nicht. Wenn man die Zeit dazu hat, sollte man also solche Gegenstände zunächst entfernen und im Zweifelsfall auf den guten alten Verband zurückgreifen.
Man kann sich natürlich auch noch fragen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, nach der Heilung des Verletzten von diesem oder den eigenen Leuten angegriffen zu werden. Das liegt immer daran, ob der Verletzte grade all Eure Freunde halb umgebracht hat oder bezaubert oder einfach nur irrsinnig böse/ wütend ist. Das sollte man immer in der jeweiligen Situation bedenken. Andererseits stellt sich manchmal die Frage auch gar nicht. Man sollte sich aber immer fragen, ob die Tatsache, daß der Verletzte gestern Abend Euren ganzen Met getrunken und die ganze Nacht laut gesungen hat ein ausreichender Grund ist, ihn sterben zu lassen.
Wenn man sich nun also zur Magieanwendung entschlossen hat, taucht eine weitere interessante Frage auf:

Was genau tue ich eigentlich?
Natürlich kann man auf diese Frage mit einem Creo Corporem Medicam Magica oder was auch immer man sonst so sagt antworten. Aber das ist nicht die Frage.
Um diese Worte nicht nur Worte sein zu lassen - was sie bei mir immer nur wären - sollte man sie mit Energie, magischer Energie füllen, also die Worte verwenden, um Energien zu formen. Das führt uns zu der Frage, woher diese Energie kommt. Darauf möchte ich nicht unbedingt eingehen, denn darüber gibt es so viele Meinungen, die mit soviel Begeisterung vertreten werden, daß wir einen praktischen Teil anschließen könnten.
Aber ich möchte auf die Frage eingehen

Was tue ich mit meiner magischen Energie?
Ich kann natürlich einfach meine Formel, die ich gelernt oder selbst entwickelt oder auf einer Spruchrolle habe aufsagen und hoffen, daß schon das richtige passiert. Das kann durchaus funktionieren. Muß aber nicht.
Warum das funktionieren kann ist einfach:
Die Lebensenergien fließen durch alles und wohnen allem inne. Alle diese Energien sind im Fluß miteinander verbunden. Dadurch "kennt" die Energie das "Gefühl" der Ganzheit, weiß, wie ein gesunder Körper aussieht, weiß, wie sie durch "heile" Dinge fließt. Sie hat den Drang, wieder durch ein Ganzes zu fließen. So bringt sie den Körper dazu, unter Nutzung eben dieser Energie, wieder zu einem Ganzen zu werden, sich zu heilen.
Warum das nicht immer funktionieren muß ist auch klar:
Wenn die Verletzung etwas komplizierter ist, verschmutzt ist, wenn größere Teile des Körpers fehlen, wenn ein Knochen gebrochen oder ein Muskel durchtrennt ist, reicht es nicht, einfach die beieinander liegenden "Enden" zu heilen.
Die Magie braucht dann die genauen Weisungen, was im einzelnen zu tun ist, damit nicht Teile miteinander verheilen, die so gar nicht zusammengehören. Was nützt einem ein Muskel, der zwar an seinen beiden durchtrennten Enden geheilt ist, aber diese Enden nicht miteinander verbunden sind?
Man muß der Magie also genau sagen, was zu tun ist. Das scheint vielleicht ganz klar zu sein. Doch um wirklich zu wissen, wie die Magie zu lenken ist, um die zu behandelnde Verletzung zu heilen, muß man erst verschiedene Dinge wissen:

Wie sieht das jetzt aus und wie sollte das eigentlich aussehen?
Klar, wenn jemandem die Därme aus dem Bauch hängen, der Arm an der falschen Stelle abknickt und aus dem Bein irgendwie wahnsinnig viel Blut rausläuft, dann gibt das einen Hinweis. Zu sehen was alles nicht in Ordnung ist, ist aber nicht genug. Man muß auch ein Bild davon haben, wie es aussehen sollte. Dafür ist es wichtig, Kenntnis zu haben, welcher Knochen wohin gehört, wo das Blut herkommt, wo es hinwill und wo es dafür lang muß. Allgemein ist allerdings klar, daß Dinge, die offensichtlich nicht zum Körper gehören, so wie Steine, Schmutz, Pfeilspitzen und ähnliches, erstmal entfernt werden sollten. Dadurch kann es sein, daß auf einmal noch mehr Blut aus dem Körper läuft, aber darum kann man sich ja dann kümmern. Das Problem mit dem vielen Blut, das irgendwo rauskommt läßt sich meist dadurch beheben, daß man erst mal das sucht, wo es rauskommt. Hat man diese Hauthülle erstmal gefunden findet man auch eine, die recht ähnlich aussieht. In gleicher Größe an etwa der gleichen Stelle an der anderen Seite der Verletzung und genauso offen. Wenn man die beiden Enden verbindet, ist das Problem erledigt. Klar, das kann man auch nähen, nur da sollte man ziemlich schnell sein, damit der Verwundete zwischendurch nicht verblutet, eine sehr dünne Nadel haben, damit man die dünne Hülle nicht völlig durchlöchert und einen sehr festen Strick griffbereit haben, mit dem man den Versorgten festbindet, wenn man fertig ist, denn solche Dinge reißen sehr schnell wieder auf. Bei irgendwelchen Verletzungen im inneren wird das sowieso recht schwer, weil man dafür erstmal ins innere rein muß. Magisch geht das viel schneller, sauberer und man muß nicht unbedingt in der Wunde herumwühlen, denn das Finden der beiden Enden kann man auch der Magie überlassen, wenn man ihr sagen kann, wonach sie suchen soll.
Mit den Knochen ist das ähnlich. Wenn einer kaputt ist, sollte man die entsprechenden Teile aneinander passen und verbinden. Sicher, das geht auch mit Nägeln, oder einem Stock, den man zur Unterstützung von außen daran bindet, damit der Knochen grade verheilt. Bei der Sache mit den Nägeln muß man aber erst alles um den Knochen aufmachen und ganz vorsichtig sein, daß man ihn nicht zersplittert. Das mit dem Aufmachen könnte auch wieder zu einem Blutproblem führen, wenn man nicht so sicher ist, wo es langläuft. Das mit dem Stock hilft nur ausgesprochen langsam, und wenn man sehr kleine Bruchstücke hat kann man die schlecht an einen Stock binden. Magie ist hier viel schneller und sauberer. Man muß nicht unbedingt den Körperteil um den Knochen aufschneiden um die Bruchstücke zu suchen, wenn man der Magie genau sagen kann, was zu tun ist.
Ein paar Grundkenntnisse über den Aufbau des zu heilende Körpers können also nicht schaden.

Wie sag ich´s meiner Magie?
Normalerweise reicht es aus, sich im Geiste ein klares Bild davon zu machen, was zu tun ist. Wenn man dann seine Magie anruft, wird sie diesem Bild folgen. Es ist in jedem Falle sinnvoll, sich diese Überlegungen zuerst zu machen und nicht erst die Magie zu rufen um dann zu überlegen, was die eigentlich tun soll.
Wenn man sich noch nicht so sicher ist, diesen Zauber noch nicht oft gewirkt hat, oder noch nicht bei der vorliegenden Verletzung, ist es auf jeden Fall hilfreich, durch zusätzliche Worte der Magie und vielleicht auch sich selbst zusätzlich zu dem geistigen Bild klar zu machen, was getan werden soll.
Das sollte auch niemandem peinlich sein, denn es ist weniger peinlich, zuzugeben lieber auf Nummer sicher zu gehen, als einen Verletzten in einen Toten zu verwandeln.

Was für ein Zauber ist angemessen?
Viel hilft viel ist auch hier, wie so oft, nicht die richtige Lösung. Man kann sich das ganz einfach an einem Becher Wasser vorstellen. Nimmt man den Becher als Körper und das Wasser als die Kraft, die der Körper normalerweise hat, kann man sich folgendes überlegen: Man nimmt man einen Löffel Wasser heraus - um den Verlust der eigenen Kraft durch eine Verletzung zu zeigen. Wenn man nun einen Löffel Wasser hinzugibt, ist der Becher wieder voll. Gibt man einen ganzen Becher Wasser dazu, ist der Becher und alles um den Becher herum auch noch naß.
Man sollte also immer nur soviel geben, wie benötigt ist.
Wenn es sich um verschiedene schwierige Verletzungen handelt, sollte man sie, wenn man sich noch nicht so sicher ist, möglich auch nacheinander behandeln, weil man der Energie dann nicht Anweisungen für drei verschiedene Dinge gleichzeitig geben muß. Das verwirrt einen selbst und damit auch den Fluß der Energie und das ist eigentlich nicht so gut, sowohl für den zu Behandelnden als auch für den Magieanwender.

Was erwarte ich von dem Verletzten?
Manche Heiler heilen nur für einen festgelegten Mindestsatz. Manche Heiler heilen die, die es sich nicht leisten könnten umsonst und nehmen von reichen Leuten dafür mehr. Manche heilen nur ihre Freunde oder nur sich selbst. Manche heilen auch alles, was grade verletzt rumliegt. Was man von dem Verletzten - von dem grade geheilten erwartet ist aber in jedem Falle relativ einfach, zumindestens, wenn man sein Handwerk einigermaßen ernst nimmt.
Man erwartet, daß er sich ein Weilchen schont und nicht direkt in den nächsten Streit mit gehobenem Schwert läuft. Man erwartet, daß er sich Gedanken darüber macht, daß so eine Verletzung ziemlich weh tut und daß es sinnvoll sein könnte, solche Dinge wenn möglich zu vermeiden, nicht nur für sich, sondern auch für andere.
Und manchmal erwartet man auch ein kleines Dankeschön.

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Autor dieser Seite: Daniela Schmidt
Diese Seite wurde geändert am 30.01.2001.