Das Manifest

Der Schwarzen Rose


  Genesis
 

"Der erste kam, durchbrach das Tor
aus Sternenhimmelhalbtraumwach
auf Wolkenpulverfunkenschnee
Bevor der Tag der Nacht entbrach
Im Glitzerweltschlafsäuselreigen
Sucht weltliches den jüngsten Tag
Dann mag aus Abgrund auch entsteigen
Was NIE des Himmels Trug erlag
Dann mag bernsteinfarbenes Feuer
Rotglühend, Hitze, Flammentanz
Das, was nicht Mensch, nicht Ungeheuer
Neu auferstehen in dunklem Glanz
Denn als der Ruf, den er vernahm
Sich steigerte in Kriegsgeschrei
War er nicht der, der zu sich kam
Aus einem wurden zwei und drei...
 

Der Zweite kam aus Menschgedächtnis
Aus ferner, weiter, dunkler Zeit
Trug doch sein Wesen das Vermächtnis
Sein selbst war längst vom Hier befreit
Und Dirnen wollte er sie rufen
Die die als Götter ihr verehrt
Die die aus Freiheit Knechtschaft schufen
Von der der Mensch so spät erfährt
So stieg hinab was nie der Sonne
Nur einen Hauch von Leben stahl
Erquickte sich an dunkler Wonne
Nahm zum Geleit die freie Wahl
Dann einst stieg er dem Funkeln nach
Das ihm den Weg aus sich gezeigt
Sich selbst zuhörend trat und sprach
Er laut, der sonst lächelnd zum Schweigen neigt:
"das ist der Dritte, der dort steht: den ihr im
Sterben lachen seht!"
 

Der Dritte aber war ein Drachen
Aus schwarzem feinen Edelstein
Irrlichter, die nächtens erwachen
Könnten ihm nicht gleicher sein
Unstet im Wesen, sprunghaft, schnell
Leidenschaft bis ins Verderben
Sonderbar dunkel und dennoch hell
So jung als könnte er niemals sterben
Seltsam begreifend stieg er hinauf
In das Konzil der Traumesspitzen
Wo in aller Sterne Haut die
Drei nur diese Worte ritzten:
 

"Im Schwur der Nacht sieh deinen Freund
als Teil von Dir ist er dein Herz
Im Schwur der Klinge kämpf´vor ihm
Und nimm an seiner statt den Schmerz
Im Schwur des Blutes meine größter Not
Von bruder zu Bruder..
Der Deine bis in den Tod"
 

So soll von dieser Freiheit künden
Die Rosennachtverbundenheit
Und Leidenschaftsflamme entzünden
Die Licht aus Freiheit zu euch speit
Niemals durch Zwang und Qual bedungen
Ist unser Handeln Schönheit nur
Und Freiheit liegt auf unseren Zungen
Ästhetik ist unsere Natur
 

Da mag der Söldner sterben
Für einen Beutel voller Gold
Geldgier wird ihn schwärzer färben
nichts als sein Lohn ist ihm noch hold
 

Den weißen Ritter lasst doch singen
Von seiner Güte, Tugend, Macht
Am Ende wird ein Lied erklingen
Das dunkler ist als selbst die Nacht
 

Saht ihr nicht selbst den Widerspruch
Im Reden, Handeln, Sprechen, sein ?
Das ist ihr Zwang, ihr steter Fluch
Rein ist an ihnen nur der Schein
 

Zwar gibt es manchen der versucht
Dem strengen Kodex nachzugehen
Doch ach dadurch ist er verflucht
Wird er sich vor ihm fallen sehen !
 

Hört doch des Priesters steten Ruf
Dem Himmel weinend zugewandt
Ist es ein Gott, der dies erschuf ?
Oder ein Herz voll Angst entbrannt
 

Vor dem, was ihn zu zwingen mag
Will er dann lieber Diener sein
Man kanns verstehen denn jeder Tag
Lebt durch die Huldigung allein
 

Schaut nur den König, ist er frei ?
In Prunk glitzert sein Angesicht
Das alles, schaut, ist einerlei
Wär er sein eigenes Gericht
 

Könnte Tun, was er will
Und keine Etikette halten
Dann schrien Stimmen nicht und still
könnte er sich selbst entfalten
 
 

Doch was König, Ritter gleich
Gleicher ists dem Paladin
Hart, will er sein, der Härte reich
Will Recht und Ordnung stets vollziehn
 

Da seht ihn schrein im Zorneswahn
Legitimiert durch weißeres Gewand
Ein Schreihals, ein krähender Hahn
Wird blutrot wenn er wutentbrannt
Mit Gleichheitsvorsatz tötet
Und aufwachend aus seinem Wahn
Vor Scham so sehr errötet
Das er dem Blut, das er vergoß
Gleicher ist als seine Wut dem Todesstoß
 

Das also ist der Zwang des Seins
Der Anfang nur vom Ende
Der Beginn des sich entzweiens
Die blutverschmierten Hände
 

Das ist uns Grund und genug Wissen
So handeln wir mit schönen Waren
Sind frei mit eigenem Gewissen
Und können darin das erfahren
 

Was alle doch zum Handel zwingt
Denn jeder hat ein dunkleres Gesicht
Und weil der Preis leise erklingt
Sieht ihn der Neider nicht.
 

Dann geht er hinaus durch uns gerüstet
Und wünscht allem Dunklen laut den Tod
Und wenn er es auch besser wüßte
Ihn treibts zurück in Zeit der Not
 

Doch Händler sind wir auch mit Worten
Und preisen unsere freie Wahl
Die schönen Dinge aller Sorten
Sie sind unsere einzige Qual
 

Geheimnisse und Gegenstände
Aus längst dahingeschiedener Zeit
Volle Zauberbücherwände
Liegen für euch zum Kauf bereit
 

Kostbare Ketten, Ringe, Kronen
Selbst uralte Formeln der Macht
In denen mächtige Wesen wohnen
Und Kugeln voller Zaubernacht
 

Schwerter aus Mithril, fomorische Klingen
Und Perlen aus der tiefen See
Lassen eure Herzen klingen
Und tuen in den Augen weh´
 

Elfische Weine, Zwergenschnaps
Sonnenuntergangsgebräu
Bier aus Hefe, Schroth und Raps
Machen froh aber untreu
 
 

Phiolen mit Sternengewässern
Heilen Wunden und befreien
Gerne auch in ganzen Fässern
Wenn Armeen nach Heilung schreien
 

Doch lasst uns witzig sein bei Zeiten
Jetzt aber lauscht dem Zeitengang
Denn einst tönte aus den Weiten
Neuer Freiheitengesang
 

Aus den dreien wurden viele
Zu viele um sie hier zu nennen
Doch alle einten unsre Ziele
Darum solltet ihr sie kennen
 

Denn mit den Präfekten
Regieren sie den Bund
Allein die Agitatoren
Sind sein geheimer Grund
 

Der erste zum Präfekt erhoben
Vor nicht allzu langer Zeit
Ein Elf in warmen, schlanken Roben
Sein Blick des Tages Nacht geweiht
 

Sein Ursprung liegt in Dunkelheit
Und sein Geheimnis in Musik
Zeigt er als Tänzer auf der Zeit
Als er Tag und Nacht entstieg
 

Nun preist er lächelnd schöne Waren
Dem gutbetuchten Fürsten an
Doch seine List ist sehr erfahren
Manches Turnier, das er gewann
 

Sein spitzer Geist durchschaut den Trug
Und frei wendet er sich gegen den
Der glaubt er kenne ihn genug
Um in ihn hineinzusehen
 

So voller Zwielicht lächelnd, spitz
Ist wohl sein Pfeil, den er verschießt
Dann trifft er, voll mit scharfem Witz
So ist sein Herz, das gern genießt
 

Ein Wanderer in vielen Gassen
Und Freund von vielen ist er gar
Von Schönheit kann er schwerlich lassen
Sie, die ihm auch Mutter war
 

Doch in der ernsthaften Sekunde
Wird sein Blick zum Flammenschwert
Und brennt vor Wut schon eine Wunde
Wehe dem, der ihn im Zorn erfährt
 

Der zweite wohl ein ganzer Krieg
Ein Feuerkämpfer, dunkler Brand
Als Schwertmeister hält er den Sieg
Über Helden aus manchem Land
 

Seht diese Kohlen hell erglühen
Die er als Augen in sich trägt
Die seine Gegner brennen fühlen
Wenn er an sie die Schwerter legt
 

Dann tanzt ein Dschinnlord auf in ihnen
Und aus ihm brechen Schatten Frei
Denen, die ihm im Kampf erschienen
Entlockt er ihren Todesschrei
 

Halb Elf ist er, soviel steht fest
Doch was die andere Hälfte ist
Ist etwas, was nur ahnen lässt
Wenn man im Kampf sich mit ihm misst
 

Er ist der Dux, der General
Der Kriegesfürst und der Schattenlord
Seine Armee ist reich an Zahl
Und er ist reich an strengem Wort
 

Bereit nur Bestes zu entgelten
Für Schwäche hat er keinen Sinn
Entsprungen wohl aus Alptraumwelten
Gibt sich dem schlimmsten selbst nur hin
 

Der Dritte ist geheimnisvoll in allem seinem Tun
Kein Wort das ihn beschreiben kann
Geheimnisse nur in ihm ruhen
Ein wirklich zwielichtiger Mann
 

Illusionen sind sein Schaffen
Unmöglichkeiten kennt er nicht
Klein und versteckt sind seine Waffen
Er trägt ein dunkleres Gesicht
 

Woher er kam weiß keiner
Wohin er geht ist unbekannt
Zwischen Jahren kommt er
Reist weiter dann von Land zu Land
 

Geheimnis ist sein wahres Ich
Er schaut durch Weltensucherblick
Ganz bestimmt kennt er auch dich
Und fesselt dich mit manchem Trick
 

Denn wen als Opfer er begehrt
Dem folgt er viele Jahre lang
Und schläft es dann so unbewehrt
Vollendet er des Schicksals Gang
 

Miß dich NIE mit diesem einen
Dem die Schatten Eltern waren
Denn Dinge sind NIE wie sie scheinen
Willst dies nicht durch ihn erfahren
 

Der vierte ist ein wahrer Meister
Ein weitgerühmter Alchemist
Ein hochbegabter, weitgereister
Des Ätherfeuers Herr er ist
 

Kein Trank der ihm noch unbekannt
Kein zwielichtgasiges Gemisch
Der schon im Glas Welten verband
Und Welten dienen ihm als Tisch
 
 

Dort spreizt er Kräuter und Essenz
Mischt duftend Wunderheiltinktur
Mischt Sternenstaubingredienz
Ehrfürchtig wer von ihm erfuhr
 

Und scheint er ruhig und voller Schweigen
So brodelt doch ein heller Geist
Begreift die Welt im Trankbraureigen
Der, der auch Dunkler Gänger heißt
 

Sie sind der Anfang und der Schluß
Des schwarzrosigen Mächtekreis
Ein stiller aber schneller Fluß
Des Schimmerpalasts ganzer Preis
 

Vor ihnen mag nicht Argwohn bangen
Sie handeln hart doch voller Ehr
Lobe aus manchem Mund erklangen
Es kommen viele, immer mehr
 

Die wissen, dass sehr still und leise
Die gute Ware bereitsteht
Und zu angemessenem Preise
Verschwiegen an den Kunden geht
 

So sind die Gäste viel an Zahl
Und mancher von dem ihr´s nicht denkt
Wir sind für viele erste Wahl
Diskretion wird mitgeschenkt
 

Wir stehen nie auf einer Seite
Sind böse nicht und auch nicht gut
Händler sind wir gern und leise
Treiben nicht mit in der Flut
 

So halten wir wohl zwischen Kunden
Ein hintergründig Gleichgewicht
Verhandeln manchmal über Stunden
Die Oberfläche liegt uns nicht
 

Wo Argwohn manchmal Einkehr hält
Von Gerüchten wohlgespeist
Ist das was ihm sofort einfällt
Wenn er nie mit uns gereist
 

Dann mag er denken wir sind dunkel
Und schwarz muß unser Ziel wohl sein
Dann hört man ängstliches Gemunkel
Hält für Wahrheit manchen Schein
 

Dann suchen weiße Ritter gar
Einen ebenbürtigen Feind
Und werden Rosennacht gewahr
Die ihnen allzu teuflisch scheint
 

Oder zu seltsam, gar zu mächtig
Man hört gar lustiges Gerücht
Jedem Verbrechen gleich verdächtig
Ein eben schwarzes Gleichgezücht
 
 

Wohl dem, der meint er mag uns kennen
Und unsere dunklere Natur
Dem musste ich ein Licht entbrennen
Das er auf falschem Weg nicht fuhr
 

Was glaubt ihr sucht der Anspruch wohl ?
Tut er's den Lichtgestalten gleich ?
Und zieht gewappnet und frivol
Zur ewgen Schlacht ins dunkle Reich ?
 

Glaubt ihr er liebt den Einheitsgott ?
Und kämpft mit Dunkelelfenschwert ?
Und schlägt die Lichtgestalten tot
Weil er glaubt sie seien´s wert ?
 

Meint ihr er liebt den bösen Schwur
Und infiltriert das helle Licht ?
Verbündet sich mit Monstern nur
Zeigt nie sein wahreres Gesicht ?
 

So trivial mag jemand denken
Der die Welt als Scheibe sieht
Doch die die Pferde weiter lenken
Singen nie das alte Lied
 

Sie suchen neue Melodien
Und geben ihrem Sängertraum
Kein Lied, das je von euch geliehen
Sie suchen neuer Lieder Raum
 

Und füllen ihn mit manchem Funkeln
Halb zwielichtig und unbekannt
Das man euch singen hört im Munkeln
Ihr findet für uns neues Land
 

Belustigt und mit wenig Hohn
Hören wir euren Gesang
Und heben ihn gern auf den Thron
Von dem neues Gerücht erklang
 

So kommt zum Sonnenuntergang
Zum Festschmaus in unseren Palast
Und hört durch Zauber den Gesang
Nehmt ihn zum Schlaf auf eurer Rast
 

So lang aus Lüften Winde werden
Uns zwischen gut und Bös verwehen
So lange handeln wir auf Erden
Und ihr werdet uns nie verstehen....

Siehe auch: Das Land Nok´maar
 

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Autor dieser Seite: Marcus Wilms
Diese Seite wurde geändert am 30.01.2001.