CON-Bericht Tages des Chaos 2
14. bis 16. April 2000 auf dem Zeltplatz 'Nasser Fleck' in Butzbach nahe
Frankfurt.
[Dies ist eine leicht 'revidierte Fassung' der ursprünglichen Version,
die einige blöde Scherze enthielt, die als Beleidigung von Mitspielern
verstanden wurden. Die Scherze sind weg, der Bericht kann dadurch nur gewonnen
haben. Wie sich der eine oder andere erinnert, hat der Bericht eine lebhafte
Diskussion über die Frage: darf ein Spielercharakter einen anderen töten?
ausgelöst, der auf der einen Seite zwar von vielen mit einem Anflug
kreischender Hysterie geführt wurde, der auf der anderen Seite aber
dazu beigetragen hat, zu demonstrieren, daß es mehr Auffassungen über
das Wesen des Fantasy-Liverollenspieles gibt, als die meisten ahnen.]
Allgemeines, Vorbereitung und Anreise:
Alles prima. Der Zeltplatz ist ausgesprochen ambientegeeignet - komplett
außerhalb, an zwei Seiten vom Wald umgeben, kein normaler Mensch weit
und breit und kein Haus in Sicht. Die Anlage ist mehrfach terrassiert mit
einer Art 'Talkessel' in der Mitte. einfache Duschgelegenheiten und Klos
(Juhu! keine blauen Dixis) sind vorhanden.
Wir hatten uns zu fünft auf den Weg gemacht und haben im Vorfeld ausgiebig
mit der Orga ge-mailt, was bei uns schon vor dem Con ein gutes Gefühl
verbreitete, das sich auch während des Cons bestätigt hat: es sind
kompetenete und ruhige Jungs (und Mädel?) die alles unaufgeregt in der
Hand hatten, Danke Javeed, Steffen, Ramon.
Tage des Chaos war ein Selbstversorger-Con (ist doch schöner, wenn man
beim Abendessen nicht neben einem Monster sitzt, oder?) und wir hatten ordentlich
was dabei - leider auch ein etwas unterkühltes Chili, aber davon später.
Wir fünf (Wim Fragnixlang, der einäugige Gildenmeister, Raffnix
'Rocky' Raffnix, Walter Willnix, Fungus Dronix und Willi Grautnix) waren
nämlich als die 'bösen' unterwegs - und zwar als die richtig bösen.
Nix NSC und Todesstoß nur bei grobem Unfug: Die fünf 'Köhler'
waren in Wirklichkeit Räuber, die ihr Leben berufsmäßig mit
dem Ausrauben und Ermorden (es darf auch einmal eine kleine Entführung
dabei sein - aber nach dem Erhalt des Lösegeldes wird mit dem Opfer
natürlich Schluß gemacht) von wohlhabenden Wehrlosen verdienen.
Und wie das so ist mit dem Überfallen - da das Wenzinger Strafrecht
da wenig differenziert auf 'Tod' entscheidet, darf es keine Zeugen geben.
Wir hatten uns also vorgenommen,
a) unsere Charaktere durchzubringen
b) möglichst viel Geld und Goldeswert durch Raubmord zu verdienen
c) keine lebenden Zeugen zu hinterlassen.
Da taten sich sofort zwei Konflikte auf: 'Ist das denn nicht ein bischen
fies, wenn wir jemanden so einfach endgültig um die Ecke bringen? In
übermacht, und ohne daß er sich mehrfach grob dumm angestellt
hat? Verderben wir da nicht jemandem den Spaß?' und, noch wichtiger:
'Was machen wir, wenn jemand pienst und es seinen Kumpels erzählt, daß
wir es gewesen sind?'
Das erste Problem gingen wir mit einer Doppeltaktik an: wir weihten die Spielleitung
in unsere Pläne ein und baten sie gleichzeitig, die Charaktere eindringlich
auf die Gefahr durch Räuber hinzuweisen. Sie sollten wissen, daß
man auf eigene Gefahr in den Wld geht und dort sehr gut auch sterben kann.
(Tja, und das scheint leider nicht besonders geklappt zu haben, was, Orgas?
Jedenfalls hatte niemand, den wir nach dem Spiel danach gefragt haben, von
diesem Gerücht gehört!)
Außerdem, so beruhigten wir unsere Gewissen, gehen wir ja ebenfalls
ein angemessenes Risiko ein: wenn man uns erwischt, bleibt nur die Alternative
zwischen Richter Lynch und Selbstmord.
Das 'Piens-Problem' hofften wir durch gute Worte und Schokolade eindämmen
zu können: nach der Tat, so nahmen wir uns vor, reden wir mit
unseren Opfern, erklären unsere Motivation, verteilen die 'Tut-uns-leid-Schokolade'
und legen den Opfern nahe, sich so-und-so zu verhalten. Im Unterschied zu
uns hatten sie sich ja auch noch nicht tagelang Gedanken darüber gemacht,
wie sich ein Toter Überfallener rollenspieltechnisch optimal verhält.
DER ERSTE TAG
Tja, und so ging es dann los: Erstmal in die Taverne (großes rechteckiges,
weisses Plastikzelt,war aber nicht schlimm) und die Lage peilen. Während
wir mit möglichst vielen Mädchen (Senia, Berlina, Tatjana und noch
eine, Waisenkinder vom abgebrannten Bauernhof, allerding hießen sie
alle mit Nachnamen 'Rübeab' oder so ähnlich?) schäkerten und
ihnen zugleich ausschweifende und langweilige Geschichten über
den optimalen Meilerbau erzählten und die dadurch entstehende Fluchtbewegung
durch das Einschenken von Brombeerwein kompensierten, wurden alle Gäste
im Geiste katalogisiert: der Zauberer dort geht in feines Tuch gewandet,
der müßte reich sein - aber die beiden Söldner, die ihn begleiten
sehen wehrhaft aus. Wie ist es mit der gutaussehenden Elfe dort? Hat die
genug Moos in de' Täsch? oder sollen wir die Blumenelfe? Immerhin, das
rosa Kleid! Ist aber wahrscheinlich zu klein, um viel Geld dafür zu
kriegen....
Wir haben uns köhlermäßig gut amüsiert, als der unvermeidliche
Angriff der Geister (verursacht durch ein ungeheuer cleveres Ritual, das
mitten in der Nacht das Sonnenlicht zum Vorschein bringen sollte - wir haben
aber auch nicht geschaltet..) stattfand. Ja, und als Handwerker (Con-Zitat
von einem Köhler mit insgesammt sechs Hieb- und Stichwaffen am Körper:
'Nein, wir sind keine Söldner. Söldner tragen viel mehr Waffen')
hielten wir uns natürlich immer schön in der dritten Reihe, beschützten
allenfalls die Wehrlosen, solange keine Gefahr drohte und warteten auf unsere
Gelegenheit. Allein: es wollte niemand in den Wald schlendern. Warum auch,
die Action fand ja im Lager statt!
Wim, unser Gildenmeister hatte schließlich die rettende Idee: 'Hier
liegen doch überall Bewußtlose und Gelähmte auf dem Schlachtfeld.
Wir schnappen uns einen und nehmen ihn mit'
Gesagt getan! Bald hatten wir uns einen ausgesucht, schleppten ihn aus dem
unmittelbarem Gefecht (wir bestanden darauf, ihn wirklich zu tragen ohne
daß er mithalf - ganz so leicht wollten wir es uns dann doch nicht
machen) hinter ein Zelt und töteten ihn. Was hat er gesagt? Ich glaube:
"Oh, das ist mein erster Tag auf meinem ersten Con" Anschließend verbanden
wir ihn, wimmelten eine Heilerin ab: 'Danke, keine Hilfe von Nöten,
wir wissen, was wir tun' und schleppten ihn nun den Talkessel empor in Richtung
Wald. Ein Krieger wollte uns noch in den Weg stellen, aber unser "Wir bringen
ihn in Sicherheit" kam wohl überzeugend genug, und er ließ uns
passieren.
Wir haben ihn ganz schön lang getragen, bis wir außer Sicht waren.
Dann merkten wir, daß die Spaten noch im Lager waren, also einer zurück,
und Werkzeug holen. Eigentlich wollten wir eine richtige Grube ausschachten,
aber im Wald mit steinigem, wurzelgesättigtem Boden ist das eine mörderische
Arbeit. Wir mußten uns also darauf beschränken, 'Knut von Gnubbel'
in einem flachen Loch zu verscharren und seinen Charakterbogen und die blutige
Mullbinde sichtbar herausschauen zu lassen. Schnell noch ein Photo für
Knut: 'van Gnubbel im Kreis seiner Killer, grinsend mit den Spaten auf der
Schulter' und dann auf Umwegen zurück ins Lager, wo immer noch gekämpft
wurde. Wir hätten jetzt einen nach dem anderen abtransportieren können,
aber da fehlte den Köhlern die sportliche Herausforderung; wir haben
noch ein bischen zugesehen, wie die Ritter sich abmühten und sind dann
zu unseren Zelten gegangen. Dort packte uns dann aber eine leichte Paranoia-Krise:
wir glaubten aus der Richtung von Knuts Grab Gesang zu hören und fürchteten
eine Befragung der Toten und einen nächtlichen Angriff. Also: Nachtwache.
Ist aber nichts passiert. Das Zelt von Falk dem Famosen haben wir gleich
mitbewacht weil er so nett war.. ach und: die Orks scheinen sich einen Wecker
gestellt zu haben, damit sie ihren nächtlichen Einsatz nicht verpassen,
hihihi..
Noch zum Chili: In Verkennung der grundlegenden Konstanten der Thermodynamik
haben wir (ich war's schuld) einen großen Wassersack voller vorgekochtem
Chili _tiefgfroren_ mitgenommen. Ich Depp habe mir noch Gedanken gemacht,
ob das Chili bis zum Abend durchhält, ohne zu verderben, wenn ich es
Mittags aus dem Eisschrank hole - abends war das Zeug noch derartig kalt,
daß das Wasser, das wir darüberkippten, um das Auftauen zu beschleunigen,
zu einem zentimeterdicken Eispanzer erstarrte. Wir waren hungrig! Und während
in anderen Zelten schon der Verdauungsmet kreiste, waren wir noch damit beschäftigt,
unseren Sack mit heißem Wasser zu überschütten (mußte
auf offenem Feuer erhitzt werden - so hart waren die Sitten dort, jaja)
DER ZWEITE TAG
Der nächste Tag begann ebenso wie der erste geendet hatte, mit Nieselregen.
Es hat überhaupt die halbe Zeit geregnet - das war aber nicht weiter
schlimm.
Nach dem Frühstück (reichhaltigst!) gingen Walter und ich zum Moos-und-Kräuter
sammeln in den Wald: er mit Waffen, ich mit Botanisierhumpen. Und tatsächlich:
als wir ziemlich weit im Wald waren (soll man ja nicht machen, soll da Räuber
geben) kam uns leicht versetzt auf der Grenze zwischen Wald und Wiese ein
Trupp Orks entgegen. Wir sofort in tiefster Gangart (wir wissen was fünf
gegen zwei bedeutet) und das Gesicht ins Laub gepresst. Und sie hätten
uns auch nicht bemerkt, wenn, ja wenn Walter sich nicht auf dem Weg versteckt
hätte, den die Orks nun in den Wald abbiegend nahmen.
Kurzes Scharmützel und anschließende Flucht mit Maximalgeschwindigkeit
durch eine Dornenhecke rettete uns das Leben. Das kann ich überigens
nur empfehlen, wenn man verfolgt wird: manchmal kann man fehlende Geschwindigkeit
durch Opferbereitschaft ausgleichen - allerdings solltet ihr jetzt nicht
meine Finger sehen. Wie gesagt: Dornenhecke.
Durch die Flucht waren wir weit vom Weg abgekommen und näherten uns
nun vorsichtig wieder dem Lager an. Vor uns sahen wir Leute, wohl keine Orks.
Leider stellte sich heraus, das es sich bei den Leuten um die Armee des bösen
Baron von Busack handelte, quasi der Erzfeind. Als man uns fragte, ob wir
uns in die Armee einreihen wollten, konnten wir das angesicht solcher Maximen
wie 'Wer nicht für uns ist, ist gegen uns' und der Vielzahl der Söldner,
die um uns herum standen, nicht ablehnen. Wir haben aber niemals gegen Wenzinger
die Waffe erhoben!
Schließlich wurden wir wieder Willen noch Teil der offiziellen Wenzinger
Geschichte, weil wir unter Umgehung der Wenzinger Garde ein Tal durchspurtet
haben und den ersten Kontakt des Barons zu den Rattenmenschen hergestellt
haben (Diese Ratten sind vielleicht ... Ratten! Später haben sie uns
Köhler nähmlich verraten!)
Naja, wir haben uns dann zu gegebener Stunde abgesetzt und wieder ins Lager
geschlichen, voller Sorge, daß ein aufrichtiger Wenzinger unsere Gesichter
beim Baron gesehen hatte und wir schon vom Henker empfangen werden. Aber
nichts geschah. Ein weiteres Mal hatte das Schicksal ledigtlich ausgeholt,
um schließlich mit umso mehr Schwung zuschlagen zu können...
.... wir aber kochten uns erst einmal ein frühes Abendessen, um uns
für die kommenden Schlachten fit zu machen: Schweinefleisch in Schwarzer-Bohnen-Sauce
mit Paprika, Zwiebeln und Reis. Das ist ganz einfach frisch auf einem Con
zuzubereiten: Man nimmt... aber wer will das jetzt schon lesen?
Ein Stündchen später, wir trieben uns gerade wieder am Waldrand
herum, um einer einsamen Lady Transportschutz anzubieten, kam des bösen
Barons Oberspäher aus dem Wald. "He ihr - hättet ihr Lust für
gutes Geld zu kämpfen?" Erst hatten Walter und ich ein schlechtes Gefühl
- schließlich waren wir ja desertiert, oder so ... aber immerhin waren
wir ja hier im Herzen von Wenzinger und er auf feindlichem Boden.
Wir antworteten: "Wir können nicht mehr in die Armee des Barons eintreten,
weil wir schon drin sind!" Das akzeptierte er, warum auch immer. Ob wir denn
noch Söldner kennen würden, die er vielleicht anwerben könnte?
Da kam der Geistesblitz (also - für einen Köhler ein Geistesblitz,
sachichmalso) "Mh, die Frau Ser hatte zwei Söldner dabei, die könnten
Interesse haben. Ich habe die drei eben im Wald gesehen, wo sie gerade Brotzeit
halten. Gut möglich, daß wir sie dort noch antreffen, wenn wir
sofort hingehen"
Ja, damit war dann alles erledigt: wir wanderten zu sechst in den Wald.
Weit, weit, in den Wald, weiter als eine Stimme trägt dann haben wir
uns noch höflich nach dem Namen erkundigt, weil "Es ist immer gut, wenn
man den Namen kennt, bevor man jemanden..." Zackbumm-Puff, schon lag er da,
tot und aus. Seine letzten Worte? "Ich hätte es wissen müssen"
und "Da wird der Baron aber gar nicht erfreut sein."
Er hat alles aber sehr gut genommen - vielleicht war es für ihn leichter,
weil er eine Nichtspieler-Rolle hatte, aber immerhin eine wichtige - und
uns Köhlern war das sowieso egal: Spieler? Nichtspieler? Hauptsache
Beute! Wir haben uns noch nett unterhalten, haben die Schokolade ausgeteilt
und alles wäre reibungslos gelaufen, wenn da nicht dieses Zauberschwert
gewesen wäre: die Waffe zwingt jeden, der sie trägt, sich sofort
und ohne Rücksicht auf Verluste dem Glücksspiel hinzugeben. Einsichtig,
daß die jeweils anderen Köhler die Idee nicht so klug fanden,
mit dem auffälligen Schwert in der Hand in die nächste Kneipe zum
Würfeln zu gehen. Nachdem die Waffe nach kurzem aber heftigem Gerangel
den Besitzer gewechselt hatte ('es ist nur zu deinem besten..') fing das
Problem mit vertauschten Rollen wieder von vorne an. Wir brauchten
etwas, bis wir das Problem verstanden und die gefährliche Waffe unter
Zuhilfenahme von Manipulatoren (Stöckchen) verbuddelt haben.
Die Spielsucht hatte überigens noch ihre Nachwirkungen: der nächste
Besuch in der Taverne brachte uns acht Silber- und zwei Kupferstücke
ein!
Tja - und hier beginnt der mehr tragische Teil unseres Abenteuers: der Schnitter
hatte genug gesehen und begann uns nun langsam und so, wie man einen Fisch
aus dem Wasser holt, ins Verderben zu ziehen....
Es begann damit, daß wir bemerkten, daß endlich einmal jemand
allein (oder doch wenigstens allein genug) in den Wald ging. Erfreulicherweise
handelte es sich außerdem bei einem der Beiden um einen Zauberer -
die sind im Nahkampf meist nicht so gefährlich wie Söldner und
haben auch mehr und Wertvolleres dabei. Diesmal handelte es sich sogar um
den zauberigsten Zauberer, den ich bisher gesehen habe: hochgewachsen, hellblauer
Mantel mit Sternen und Halbmonden bestickt, spitzer Hut, so hoch, das er
über die Zelte hinausragte.
Sein Gefährte dagegen schien eher von der gefährlichen Fraktion:
schwarzes Gesicht,Schweißerbrille und _Hörner_!
Egal, wir hinterher, in sicherem Abstand, aber sie nicht aus den Augen verlierend.
Es brauchte relativ lange, bis unseren designierten Opfern mulmig wurde,
aber schließlich (glücklicherweise schon weit außerhalb
der Lagerhörweite) blieben sie stehen und erwarteten uns auf dem Weg.
Jeder der beiden hatte sich auf einer Seite des Weges postiert.
Ich hatte ein schlechtes Gefühl dabei. Die ganze Situation roch nach
Mißtrauen! Noch fünf sechs Schritte, und sie würden die Waffen
ziehen oder einen Zauber wirken. Oder schlimmer noch, sie würden wegrennen!
Ich hob die leere Hand und fragte sie: "Können wir passieren?" Ein Witz,
ein echter Witz. Wir: fünf, sie zwei. Wir: mit gezogenen Waffen, sie:
ohne Waffen in den Händen. Trotzdem hat es gewirkt: beide entspannten
sich sichtlich. Was sie antworteten, habe ich nicht in Erinnerung behalten
und vielleicht nicht einmal gehört, weil das Blut in meinen Adern rauschte.
Als wir zwischen den beiden waren, schlugen wir zu. Der Zauberer ging sofort
zu Boden, der Söldner konnte eines seiner Schwerter noch halb aus der
Scheide ziehen, bevor auch er das Bewußtsein verlor.
Wir töteten beide und zerrten sie den Weg entlang einen kleine Geländestufe
empor unter die Äste einer Gruppe von Tannen, damit man uns und sie
den Weg entlang nicht schon von weitem sehen konnte.
Während wir die beiden plünderten, hielt Willi auf dem Weg Wache.
Einmal sah er weit entfernt zwei Gestalten, die sich zunächst näherten,
dann aber in den Wald abbogen. Sie waren zu weit weg, um uns zu identifizieren,
deshalb ließen wir sie laufen. Trotzdem waren wir natürlich etwas
beunruhigt. Die Gefahr kam dann von der anderen Seite: wie aus dem Nichts
standen auf einmal zwei Elfen auf dem Weg, die aus der Tiefe des Waldes gekommen
waren. Super! Die beiden waren definitiv in der Lage uns zu identifizieren.
Wir standen im Gebüsch um die beiden Leichen herum, versuchten unsere
hirn- und blutverschmierten Äxte hinter uns zu verbergen und quasselten
uns mit jedem Wort tiefer ins Schlamassel hinein: "Wir haben sie so gefunden
- vielleicht sollten wir einen Heiler rufen - wenn ihr meint, daß es
nicht ansteckend ist, fasse ich einen jetzt mal an (die Köpfe waren
abgetrennt!)". Kurzes Geflüster aus dem Mundwinkel mit Gildenmeister
Wim, und wir versicherten uns gegenseitig, daß diese beiden Zeugen
nicht nach Hause kommen durften. Überraschenderweise reagierte ich dann
(als Räuberhauptmann, der Mann des ersten Schlages) beinahe zu spät.
Die beiden Zeugen begannen schon sich mit einem "wartet hier bis Hilfe kommt"
abzusetzen, als ich endlich zu mir kam und die Initiative ergreifen konnte:
mit einem "Herr, auf ein Wort!..." rannte ich, die Axt bereits erhoben, hinter
den beiden her. Und holla! Der Kerl konnte kämpfen! Während sie
den Weg entlang Richtung Lager rannte, deckte er den Rückzug. Zu allem
Überfluß bin ich auch noch ausgerutscht, so daß ich mich
ganz mit meinem Schild decken mußte und dennoch drei böse Schläge
einsteckte. Dann waren endlich meine Kameraden bei mir, die den Kämpfer
ablenkten und mir die Gelegenheit gaben, wieder auf die Füße zu
kommen und die Frau zu verfolgen. Sie war schnell, aber ich war noch ein
kleines wenig schneller und holte auf. Als sie im Laufen irgend etwas sagte,
fragte ich vorsichtshalber nach: "Hast Du mich bezaubert?" (nichts schlimmer
als einen Zauber zu ignorieren, weil man ihn nicht mitbekommen hat) Die Antwort
"Ich kann gar nicht zaubern" raubte ihr das entscheidende bischen Luft und
brachte sie in Reichweite meiner Axt. Ich schlug sie nieder. Sie bat um Schonung,
aber, beim 'Schwarzen Mann'! wir sind Räuber! gemeinsam mit Gildenmeister
Wim tötete ich sie.
Ich glaube, in der Aufregung wurde sie von jedem von uns einmal getötet
und jeder hat ihr einmal den Kopf abgeschlagen - muß ja eine schöne
Schweinerei gewesen sein nachher...
Diese beiden waren nicht so entzückt von ihrem Ableben: Der Kämpfer
fragte mich noch, warum wir ihn getötet hätten, und ich sagte,
glaube ich, soetwas wie: weil wir es nicht erlauben könnten, daß
unsere Tarnung auffliegt. Die Elfe war traurig.
Unsere 'Friedensangebote' (hey, es ist nur ein Spiel, Schokolade gefällig?)
wurde mit einem "Verpißt euch, ihr Wichser!" quittiert. Vielleicht
verständlich, wenn die Freundin betrübt ist - wir verpißten
uns und schlugen einen weiten Weg um den Wald Richtung Lager.
Auf dem Weg überlegten wir uns, was wir (als Köhler) jetzt logischerweise
tun sollten. Wir hatten wieder diese 'Pienser-Paranoia': Wenn die beiden
letzten Opfer so richtig sauer auf uns sind, wird es ihnen schwerfallen,
dicht zu halten. Die Wahrscheinlichkeit, daß ihre Freunde (mit dem
Vorwissen, das sie _eigendlich_ nicht haben sollten) uns zur Verantwortung
ziehen würden, schien uns hoch. Trotzdem reisten wir weder ab, noch
versteckten wir uns die nächste Nacht im Wald, weil 1) wir als Köhler
nicht wußten, daß die Spieler sauer waren (die Köhler sehen
nur die Leichen) 2) wir als Spieler entschieden, daß sie eine Chance
haben sollen, sich von ihren Agressionen zu befreien. Wenn sie mogeln, haben
wir halt Pech gehabt (haben sie überigens nicht, wenigstens nicht so
richtig, aber dazu später).
Auf dem Weg runter ins Lager wurde uns dann so richtig mulmig: wir erwarteten
eigentlich, bereits von einer aufgehetzten Meute empfangen zu werden. Doch
nichts dergleichen. Sicherheitshalber, und um die Spielleitung darauf vorzubereiten,
daß eventuell bald ein paar sehr erboste Spieler toter Charaktere bei
ihnen einfallen würden, machten wir dann noch einen Abstecher zur SL.
Durch die Spielleitung bekamen wir auch in diesem Fall erfreuliche Rückendeckung
- sogar so viel, daß wir darauf gedrängt haben, die 'Leichen'
doch bitte nicht mit einem markigen "selbst schuld!" zu empfangen, sondern
vielleicht etwas einfühlsamer auf deren Gefühle Rücksicht
zu nehmen.
Ach ja: die Spielleitung bat uns, wenn es uns nichts ausmache, uns doch bitte
für den Rest des Spieles mordsmäßig zur Ruhe zu setzen. Das
hatten wir sowieso vor, da uns die menschliche Seite der ganze Geschichte
doch nervlich etwas zugesetzt hatte. So machten wir uns einen lauen Nachmittag,
suchten vorübergehend vor einem Regenguß im Zelt Schutz, setzen
uns wieder ums Feuer für eine neue Runde Kaffee, bis - bis Willi mit
leerem Blick von unserer erhöhten Terrasse in den Talkessel starrte,
wo er die Masse unserer anrückenden Feinde, organisiert in zwei Heeressäulen
auf uns zukommen sah. Sein Kommentar später: "Das waren so viele, die
konnten doch unmöglich zuuns wollen!".
Der erste 'Windstoß' wehte mich erfreulicherweise direkt auf mein Schild
zu, das ich griffbereit an das Zelt gelehnt hatte, doch da waren sie schon
über mir, angeführt von einer Katzenfrau, die mit großem
Nachdruck auf uns einschlug. Von der Wucht des Angriffes wurde
ich in die Brombeerhecke gedrückt, wo ich, das Rundschild wie einen
Deckel vor mich haltende, gut geschützt war. Raffnix wurde von der Katzenfrau
und ihren Kumpanen auf unseren Feuerholzstapel gedrückt, und nur sein
Lederpanzer verhinderte, daß sich Zoll-Nägel in seine Rückenmark
bohrten - Rüstung nützt, Rüstung schützt!
Vom Schicksal der anderen habe ich nur verschwommene Berichte: Wim wurde
auf der Flucht eingeholt und ging im Abwehrkampf zu Boden, Willi wurde wo
er stand flachgelegt, ich selbst ließ mich schließlich aus den
Dornen hervorlocken, worauf mir ein Schwert in die Kniekehlen gestoßen
und ich von der aufgebrachten Meute zerstückelt wurde. Die Orks, die
mit Versprechen auf Plünderung zum Angriff motiviert worden waren, fanden
keinen Wiederstand mehr vor und beschränkten sich aufs Ausräumen
der Zelte.
Wie nun haben sie uns gefunden?
Es stellte sich heraus, daß alles wieder Erwarten (einigermaßen)
seine Ordnung gehabt hatte: Die Paar, das wir im Wald erschlagen hatten,
um Zeugen zum Schweigen zu bringen, wurde nach einiger Zeit von den Ihren
vermißt. Bei der Gruppe befand sich ein Spurenleser allererster Kanone,
der in der Lage war, die Spuren der Beiden in den Wald bis zu ihrer Todesstelle
zu verfolgen. Dort wiederum untersuchte die Katzenfrau mit ihrer Spürnase
den Tatort und identifizierte die Köhler als diejenigen, die am wahrscheinlichsten
mit dem Verbrechen in Verbindung stehen.
Wieder zuhause, erkundigten sich Katzenfrau und Konsorten bei anderen, was
denn von uns zu halten sei. Und da kam dann wohl so einiges zusammen: die
einen hatten Walter und mich bei Busacks Armee gesehen, die Rattenmenschen
identifizierten uns als seine Unterhändler und denunzierten uns gar
als 'Spione' (unglaublich, diese Ratten! Schließlich wollten sie selbst
mit dem Baron zusammenarbeiten!) dritte wiederum wiesen auf unsere extrem
überdimensionierte Bewaffnung hin.
Da wurde dann nicht mehr viel gefackelt, es wurde ein Generalangriff geplant,
durchgeführt und (leider) ausgesprochen erfolgreich beendet. Wie auch
immer - außer uns wird wohl niemand eine Träne für diese
rauhen, aber herzlichen Gesellen vergießen. Lebt wohl, Köhler!
DIE NEUE GARDE
Das war natürlich Not am Mann! Um dem beklagenswerten Zustand der Wenzinger
Garde abzuhelfen (zu diesem Zeitpunkt bestand sie nur mehr aus einem dienstältesten
Gefreiten, den wir vor, während und nach der 'Schlacht mit den Geistern'
auf dem besten Aussichtspunkt mit drei Heilerinnen in scherzhaftem Gespräch
sahen) und der Devise: "bärtig, dreckig, hundsgemein,die stecken wir
in Wenzinger Waffenröcke rein" dienten wir uns als 'Neue Wenzinger
Garde' der Spielleitung an. Als Elitegardisten, die direkt von der Front
heim nach Wenzingen kamen, spielten wir aufrechte, humorlose, gehorsame,
standhafte, organisierte Soldaten, die in dieser verlotterten Stadt trotz
Kriegsrecht und trotz Söldnerwillkür wieder ein Mindestmaß
an Zucht und Ordnung zu installieren sich anschickten.
Die Verfolgung gewisser Vorfälle (Köhlermord) haben wir uns dann
doch verkniffen - man muß seine Grenzen kennen, außerdem waren
daß ja schon alte Geschichten.
Kurz: war super, wir haben in Formation gekämpft, haben den Blickkontakt
aller Vorgesetzter konsequent vermieden (GehenichtzumFürscht wenndunichtgerufenwürscht!)
und haben nach besten Vermögen eine provisorische Ordnung eingerichtet
(und nebenbei einem Zuhälter das Leben gerettet).
Mal die 'Guten' zu spielen, hat so viel Spaß gemacht, daß Robert
van Sleutel, Karl von Klöten, Siegfried van Siegmarinnen, Piet Sloterbeck
und Peter Blomenunplanten (oder so ähnlich) sicher nicht das letzte
mal für König und Vaterland eingetreten sind: FREIHEIT FÜR
WENZINGEN!
FAZIT
Ein gelungener Con, schöne Anlage,die allerdings im Verlauf des Wochenendes
immer tiefer im Schlamm versank. Die Mitspieler waren freundlich, vielleicht
überwiegend etwas harmlos in dem Sinne, daß sie streng auf den
üblichen wir (Spielercharaktere) gegen sie (Nichtspielercharaktere)
Plot ausgerichtet waren. Ein paar Jungs hatten Plattenpanzer dabei, die sie
beim Abbau einhändig verstauten - da kann doch etwas nicht stimmen,
oder? Sind die Dinger aus Plastik, oder aus Alu? Waffencheck war zügig,
die SL immer freundlich und generell ein ruhender Pol.
Ich selbst habe keine Alkoholexzesse beobachtet (und das lag nicht daran,
daß ich schon blind besoffen gewesesen wäre, nein) und auch kein
Konsum von illegalen Substanzen (Falks Nebelzelt war doch durch den Versuch,
mit einem Tonnengrill zu heizen bedingt, oder?)
Den Plot haben wir weitgehend ignoriert, zumal uns das 'alle hauen auf unverwundbare
Geister'-Spiel nicht so attraktiv erschien. Trotzdem haben Walter und
ich aufregende Momente an der Seite des bösen Barons erlebt (die Schlacht
um die Brücke) und bei den Rattenmenschen (lobloblob, ihr wart super,
auch von den Kostümen!) Und natürlich haben wir unser eigenes Ding
gedreht, was aufregend genug war.
Der letzte Abschnitt wurde vorläufig zensiert.
Diese Seite wurde geändert am 19.12.2001.